Philipp Lachenmann
DELPHI_Rationale, 4K Video
12.1.2019

Der Titel der Videoinstallation DELPHI Rationale von Philipp Lachenmann impliziert eine Verbindung von zwei eigentlich gegensätzlichen Welten. Zum einen DELPHI, eine Stadt im Antiken Griechenland, die vor allem für ihre Orakel bekannt war, deren kryptischpoetische Weissagungen dem fragenden Menschen den Weg in die Zukunft weisen sollten. Und zum anderen Rationale, was in der englischen Sprache für Vernunft steht, und auch Erkenntnis oder eine logische Denkgrundlage bezeichnet. Der Film DELPHI_Rationale entstand im Genfer DELPHI Detektor des CERN, wo das sogenannte "Gottesteilchen" (Higgs-Boson) nachgewiesen wurde. Ein indischer Sarod-Spieler und eine aufwendige Postproduktion sind die Hauptkomponenten dieses Films, bei welcher der zeitgenössische "Tempel der ultimativen Entdeckungen und rationalen Bewusstseinserweitung" zur Bühne für ein paradoxes Mysterium wird.

Indem die physikalischen Funktionen und wissenschaftlichen Aufgaben des Detektors eine ästhetische Umkodierung erfahren, führt DELPHI Rationale in die Zwischenräume der Objektivität und legt dort Ebenen von Irrationalität und Verwunderung offen. Schliesslich führen die eingesetzten Farben als dramaturgisches Mittel zu einer "Neudefinition" des Malerischen: ein sogenanntes Painting Reloaded. In DELPHI Rationale finden sich Referenzen an die frühe Phase des TechniColor- Farbfilms, ebenso wie zu Bollywood und zu den Meistern der italienischen Renaissance.